Alessia Buzga
Underwriterin in der Sparte Fine Art & Specie,
AXA XL

Bereits während ihres Studiums absolvierte Buzga diverse Praktika, um sich für zukünftige Jobs möglichst breit aufzustellen. Sie arbeitete im Ausstellungsmanagement in der Kunstsammlung Bayer AG, half im Kunsthaus Lempertz bei Auktionen aus und absolvierte ein Praktikum in der Stiftung Museum Kunstpalast in Düsseldorf. 

Besonders ihr sechsmonatiges Teilzeitpraktikum bei der Kunstsammlung Bayer AG hat sie nachhaltig geprägt. Hier unterstützte sie die Organisation der drei Ausstellungen Bauhaus, Meisterklasse Heribert Ottersbach und Georgia Russell und konnte sogar teilweise mit den Künstler*innen zusammenarbeiten. Darüber hinaus war sie für die Betreuung und Inventarisierung des Kunstbestandes der Bayer AG, die Pflege der Datenbank und den Leihverkehr zuständig. 

 

Während ihres Masterstudiums der Kunstgeschichte ergriff Buzga durch Kontakte die Möglichkeit, als Teilzeitkraft in dem Kunstlogistikunternehmen DART Art Handling als Ausstellungskoordinatorin ihre Fähigkeiten auszubauen. Dort konnte sie in direkten Kontakt mit internationalen Sammler*innen und Museen treten, um so den Umgang mit der Kunst „also dem Art Handling im wahrsten Sinne des Wortes“ zu erlernen. Eine große Herausforderung seien dabei sicherlich die 30 Stunden Arbeitszeit parallel zu ihrem Masterstudium gewesen.

 

Im Rückblick bestätigt Buzga, dass es sinnvoll sei, das Studium für diverse praktische Berufserfahrungen zu nutzen. Das Studium könne deshalb auch gerne mal länger dauern.
An der Universität sammle man das nötige Fachwissen, in Praktika die Umsetzung und den Transfer dessen auf die einzelnen praktischen Teilbereiche. Auch für die persönliche Entwicklung seien Praktika wichtig.

 

„Am Ende des Tages interessiert es keinen Arbeitgeber, wie lange das Studium letztendlich gedauert hat – sofern der Abschluss gut ist und der Lebenslauf genügend praktische Berufserfahrung aufweist.“

 

Um die eigenen Chancen auf dem Berufsmarkt zu erhöhen, sei es wichtig, bei Bewerbungen hervorzustechen, vorzugsweise eben mit „vielen, aber vor allem qualitativ hochwertigen Praktika/Tätigkeiten“.
Von Kunstmarkt und Auktionshaus über Ausstellungsmanagement und Sammlungsbetreuung hin zu Kunstlogistik und Kunstversicherung: Buzga macht vor, wie es erfolgreich funktionieren kann. Sie hatte sich zum Ziel gesetzt, viele Bereiche in Kunst und Kultur durch ein Praktikum abgedeckt zu wissen und hat dieses Ziel hartnäckig verfolgt.

Gute Noten im Studium seien dabei aber nicht zu vernachlässigen. Im Besonderen kurz nach dem Abschluss würde auf die Noten geschaut werden, beispielsweise - auf Grund der Vielzahl von Bewerber*innen - bei großen Unternehmen. Im späteren Leben zähle dann jedoch die Erfahrung mehr.

 

Im Laufe ihres Masters entdeckte Buzga, entgegen ihrer ursprünglichen Erwartung, ihr Interesse an Provenienzforschung und konnte sich mit diesem Thema als Studiumsschwerpunkt plötzlich auch eine universitäre Laufbahn vorstellen. Erst die Stellenausschreibung für ein sechs monatiges Praktikum bei der AXA XL rief ihr die alten Pläne wieder in den Kopf. Als die Zusage kam, begann sie dort synchron zu ihrer Masterarbeit zu arbeiten.

„Ich bin nach wie vor froh, dass ich aus meiner Teilzeitstelle in der Kunstlogistik den Schritt gewagt habe, noch ein letztes Praktikum zu absolvieren.“

 

Manchmal muss man einfach etwas wagen, vielleicht auch ein kleines bisschen auf den Zufall hoffen und in sein Können vertrauen.
Noch während ihres Praktikums erhielt Buzga eine Stelle im Innendienst und wenige Monate später eine im Außendienst. Der Außendienst verbinde das vor Ort beim Kunden oder Vertriebspartner sein mit dem reinen Underwriting im Innendienst. Für sie sei das ihr Traumberuf:

 

„Auch hier habe ich keine Sekunde gezögert. Die Mischung aus Underwriting und Vertrieb in Kombination mit meiner kunsthistorischen Ausbildung macht den Job wirklich perfekt!“

 

Facettenreich sei ihr Job und gar nicht so langweilig, wie oft erst einmal vermutet werde. Neben kleineren administrativen Aufgaben fällt ein wichtiger Bereich in das Underwriting, sprich die Risikobewertung. Gerade die Stelle im Außendienst biete dahingehend spannende Aspekte.

 

„Wenn es darum geht, kostbare Objekte wie Kunst und Wertgegenstände abzusichern, benötigen Kunden einen vertrauenswürdigen Partner mit Expertise vor Ort.“

 

Bei der Risikobewertung von Neukunden sei die subjektive Bewertung der Risikoprofile durch den Underwriter von enormer Wichtigkeit. Buzgas Erfahrung und Gespür sind hier gefragt.  Neben der Kunst bewerte sie dabei auch das Risiko. Dabei stehen Fragen im Raum wie beispielsweise die Sicherungen sowie die Verortung des Objektes im Raum und eben die Wertermittlung der Kunstgegenstände. Auch nach ihrem Studium kann sie auf die dort erlernten Fähigkeiten, vor allem bei der Wertermittlung, täglich zurück greifen. Auf Basis vergleichbarer Verkaufsergebnisse ermittle sie den Versicherungswert. Darüber hinaus berate sie auch Museen oder Galerien bei Fragen zum Transport oder Sicherungskonzepten. Insbesondere die Teilnahme an nationalen und internationalen Kunstmessen gefalle ihr. 

 

"Es ist unglaublich spannend, die Kunst selbst, aber auch den Kunstmarkt und seine Strukturen zu verstehen und zu wissen, wie die Akteure arbeiten.  […| Es ist wichtig, auch als Underwriter im Bereich Fine Art auf dem Kunstmarkt up to date zu bleiben. Die Preise und der Kunstmarkt allgemein entwickeln sich wahnsinnig schnell, vor allem der Bereich zeitgenössischer Kunst.“

 

Als Versicherer sei es wichtig, mit dem Zeitgeist und den Entwicklungen des Kunstmarktes zu gehen.

Die aktuelle Corona Krise habe auf Buzgas Job bisher wenig Einfluss genommen. Außentermine seien zwar bisher nicht mehr möglich gewesen, jedoch seien die Kunden alternativ dann über Telefon oder Skype betreut worden. Einzig die Risikobewertung habe sich von vor Ort auf den Schreibtisch bewegt. Ein ganz anderer Blick sei so noch einmal hinzugekommen.
Im Kunstbetrieb mussten die Museen und Galerien die wohl größten Einbußen machen, dass sie einige Zeit lang geschlossen waren. Folglich seien die Geschäfte in diesem Bereich derweil etwas ruhiger gewesen.
Buzga glaubt, dass die Corona Krise vor allem im Hinblick auf die Digitalisierung einen großen Fortschritt bedeute. Vieles müsse über digitale Medien stattfinden und Themen wie Homeoffice werden eine größere Rolle spielen. Sie schaue diesbezüglich zuversichtlich in die Zukunft.

 

Abschließend haben wir sie gefragt, ob sie als junge Frau jemals Probleme hatte, ernst genommen zu werden. Die Versicherungsbranche sei stark männerdominiert, da müsse man sich gerade als Frau das ein oder andere Mal beweisen.

 

„Selbstbewusstsein, Professionalität, Souveränität, aber vor allem auch Authentizität sind sehr wichtig und führen – in einem gesunden Maße – zum Erfolg und zu Anerkennung.“

 

Nicht unterkriegen lassen, sei das Stichwort. Und auch, wenn mal nicht alles so funktioniere, wie man sich das vorstelle:

 

„Aufstehen, durchatmen, im besten Falle daraus lernen – und vor allem: weitermachen.“

 

In diesem Sinne wünschen wir ihr alles erdenklich Gute für ihre Zukunft und freuen uns auf das Sushi, das sie uns bestellt, wenn wir sie besuchen kommen.

-Hannah Steinmetz, veröffentlich am 23. Oktober 2020

Foto Alessia Sieberin.JPG

Alessia Buzga, Underwriterin in der Sparte Fine Art & Specie bei der AXA XL (ehemals AXA ART), war sich bereits zu Schulzeiten darüber im Klaren, dass sie in der Kunstversicherungsbranche tätig sein will. Durch ihre Mutter, die jahrelang in der Kunstlogistik arbeitete, kam sie früh mit Kunstsammler*innen, Galerien und Museen in Kontakt. Auf Grund dessen startete sie nach ihrem Abitur ein 2-Fach-Bachelorstudium der VWL und Kunstgeschichte an der Universität Trier. Da sich VWL nicht als ihre große Stärke rausstellte, wechselte sie an die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und führte dort das Kunstgeschichtsstudium mit dem Ergänzungsfach Geschichte fort. 

„Das Studium hat mir großen Spaß gemacht und mich darin bestärkt, dass ich in Zukunft definitiv einen Beruf in der Kunstbranche ergreifen möchte.“