Dr. Helga Huskamp
Geschäftsführende Vorständin am ZKM

Wir treffen Dr. Helga Huskamp, geschäftsführende Vorständin am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe, via Zoom zu einem digitalen Interview. Unsere ersten Fragen zielen auf ihre ganz frühen Berufswünsche. Als Kind, so erzählt sie, wollte sie mal Schaufensterdekorateurin werden. In ihrer Jugend wurden ihre Vorstellungen mit dem Berufsbild des Managementbereiches konkreter. In der Zeit des Abiturs entwickelte sich daraus die Vorstellung, als Verlagsmanagerin zu arbeiten und tatsächlich folgt auf die Schulzeit erstmal ein 6-monatiges Praktikum in einem großen Verlag in Hannover. Von dort ging es über ein Semester Politologie und Kunstgeschichte in Marburg nach München. Ihre Idee war, in München Kommunikationswissenschaften zu studieren. Berlin wäre auch eine Option gewesen. Derselben Meinung wie auch Kraftklub ein Jahrzehnt später, sagt sie: „Komischerweise wollte ich damals nicht nach Berlin.“ Bevor es mit dem Studium dann tatsächlich in München los ging ergab sich eine letzte Drehung der Fächer. Die Kunstgeschichte wurde zum Hauptfach, die Kommunikationswissenschaften zusammen mit der Volkswirtschaftslehre zu den Nebenfächern. Eine Kombination mit der sie all ihre Interessen verbinden konnte. Rückblickend hält Huskamp fest: „Das habe ich nie bereut.“ Denn „auch für die Berufe des Managements sind die Geisteswissenschaften sehr wichtige Studienfächer - einfach, weil man das Denken lernt.“ 

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Zufrieden mit ihrer Studienwahl, haderte sie dennoch mit dem deutschen Studiensystem. Aus ihrer Sicht hatte der Mittelbau damals zu wenig Zeit, um die Studierenden wirklich zu betreuen. Das sei im angloamerikanischen System besser. „Somit habe ich mir über die Fachschaft Kunstgeschichte einen Freundeskreis aufgebaut, der mir die inhaltliche Ebene der vertieften Auseinandersetzung geboten hat. Meine Aufmerksamkeit galt ganz der Kunstgeschichte, die Nebenfächer habe ich wirklich nur als solche behandelt.“ Aber ja, sie musste dennoch immer wieder ihre Fächerkombination verteidigen. Die Kunstgeschichte fremdelte mit der Volkswirtschaftslehre und umgekehrt. Auch in ihren zahlreichen Praktika in Wirtschaftsunternehmen und im Museumsbereich war sie nicht selten kritischen Fragen ob ihrer Fächerkombination ausgesetzt. In dieser Zeit hat Huskamp öfter mit Sehnsucht nach Großbritannien und die USA geschaut, wo die Verbindung von Kultur und Management weit selbstverständlicher ist. Kurz nach Abschluss ihres Studiums stellte sich die Frage nach einer Promotion. Huskamp jedoch war „jung und umtriebig“ und wollte „raus in die Welt“, „managen und arbeiten“, Projekte realisieren und „nicht wieder über Büchern hängen.“ Ihr Traum war, einen Job an der Schnittstelle von Management und Kultur in London zu finden. Sie nahm sich einen Monat Zeit, um bei Museen und Galerien vorzusprechen. Ihre Anfragen wurden jedoch mit einem freundlichen Hinweis auf die weit bessere Stellensituation in der deutschen Kunstszene beantwortet. Zurück in München ließ sie sich doch überzeugen, eine Promotion zu starten. Zunächst mit der Idee, über Kunst im öffentlichen Raum zu schreiben. Sie wollte den künstlerischen Ansatz von Richard Serra mit jenem von Siah Armajani vergleichen. Heute sagt sie: „Ich merkte schnell, dass dies ein ambitioniertes Vorhaben gewesen wäre, das mich mehrere Jahre Zeit gekostet hätte. Leider hatte ich diese Geduld damals nicht, weil ich einfach so unheimlich drängend darauf aus war, ins Berufsleben einzusteigen. Somit änderte ich mein Promotionsthema, was ich heute ein wenig bereue.“ 

 

Sie promovierte dann über den Berliner Maler Fritz Köthe. Huskamp sieht auch heute noch einen vielversprechenden Weg darin, zu promovieren, jedoch konstatiert sie, dass „Sie [..] auch längst Ihren Weg machen [können], wenn sie nicht promoviert sind.“ Sollte dennoch eine Promotion angestrebt werden, so empfiehlt Huskamp, die Dissertation von einer Institution mittragen zu lassen. So biete beispielsweise die Staatsgalerie Stuttgart ein Volontariat mit begleitender Promotion an. 

Nach der Promotion suchte Huskamp einen beruflichen Einstieg in die Kunst- und Museumswelt im Aufgabenfeld der Kommunikation. „Ich habe damals die Häuser aufgesucht, in denen ich zuvor ein Praktikum absolviert hatte. Im Büro der damalige Pressesprecherin der Bundeskunsthalle lernte ich durch Zufall Andreas Grosz kennen. Er sagte beim Rausgehen, das er eine Assistentin suchen würde, woraufhin ich gleich aufsprang und Hier rief. So kam ich an meine erste feste Stelle.“ Grosz hatte damals in Köln ein Büro für Kommunikation und betreute Wirtschaftsunternehmen an der Schnittstelle zu Kunst und Kultur. 

Darunter war das Sony Kulturprogramm, damals einer der größten Sponsoren von internationalen Kunstausstellungen wie Documenta und Biennale in Venedig oder die VEBA, die mit dem Düsseldorfer Ehrenhof eine Private-Public-Partnership einging. Zwei Jahre war Huskamp seine

Projektassistentin, schrieb Konzepte, durfte mit zu Kund*innenterminen und tat das, was sie immer schon wollte: Managen. Über das Büro Grosz lernte sie die Arbeit von Thomas Rempen kennen, damals Inhaber einer der führenden Werbeagenturen in Deutschland und eng vernetzt mit Kunst, Design und Architektur. Huskamp war fasziniert von dieser kreativen Kommunikation. 

Ich fand das total cool, für wen Rempen & Partner gearbeitet hat und was für Kampagnen dort entstanden sind.“ Sie bewarb sich und wurde gleich eingestellt, obwohl sie noch nie zuvor in ihrem Leben in einer Werbeagentur gewesen war. Es galt: „Ihr Denken passt, alles andere lernen Sie“. Die kommenden drei Jahre arbeitete sie Tag und Nacht. „Das waren die besten Jahre.“ Fernab von jeder Kunst und Kultur, habe sie in der Agentur das Kommunikationsbusiness von Grunde auf erlernt. „Kommunikation ist Handwerk und Kreativität zugleich. Letztlich ist das Produkt fast egal. Ich habe in der Zeit für so viele unterschiedliche Branchen gearbeitet. Und jede hat ihre eigenen Themen und Geschichten. Bei der Staubsaugerschulung habe ich aber doch kurz mal innegehalten.“ – erzählt sie lachend. 

 

 An die 12 Jahre arbeitete sie in der Wirtschaft. Unter anderem baute sie eine eigene Agentur mit bis zu 10 Mitarbeiter:innen auf. Einer ihrer Kunden, eine private Hochschule für Medien und Kommunikation, bat sie dann als Abteilungsleiterin ins Unternehmen zu wechseln. Für sie ein großer Schritt, den sie aber nie bereut hat. Zumal sie schon immer auch als Dozentin im Hochschulbereich tätig gewesen war einschließlich einer Professur im Masterstudiengang Medienmanagement. 

Ich bin immer meiner Neugierde und den Chancen, die sich ergeben haben gefolgt.“ 

 Nachdem die Hochschule vier Jahre später aufgekauft wurde, entschied Huskamp sich erneut zum Wechsel. Diesmal ganz bewusst als Rückkehr in die Kultur. Sie nahm das Angebot an, für das Int. Dokumentarfilmfestival München zu arbeiten. Zunächst als Leiterin der Kommunikation, später dann als stellvertretende Geschäftsführerin. Das Off-Szene-Festival war für Huskamp eine ganz neue Welt, aber sie fand sich wiederum relativ schnell ein und begleitete das Festival über vier Jahre. Huskamp zufolge brauche man „mindestens ein Jahr, um eine Institution wirklich kennenzulernen.“ 

 

Gerne wäre sie länger beim DOK.fest geblieben, aber die Chance, an der Stiftung Bauhaus Dessau das bevorstehende, deutschlandweite 100jährige Jubiläum des Bauhauses sowie den Neubau des Bauhaus Museum Dessau zu begleiten, wollte sie sich nicht entgehen lassen. Allein schon der Umzug von München nach Dessau war ein Abenteuer. Bis heute sind sie und ihre Familie der Stadt und der Region weiterhin verbunden. Während ihrer Zeit in Dessau bereitete sie als Abteilungsleiterin Kommunikation das 100-jährige Jubiläum mit vor. Die drei sammlungsführenden Bauhaus-Institutionen in Berlin, Dessau und Weimar hatten sich damals mit Bundesländern und dem Bund zusammengetan, um unter dem Motto „Die Welt neu denken“ das Jubiläum gemeinsam zu feiern. Huskamp resümiert: „Das war ein toller Job und eine tolle Zeit.“ Huskamp konnte sich und ihre Ideen umfangreich einbringen. 

 

 Ihr weiterer Weg führt sie an die Staatsgalerie Stuttgart, wo sie die Leitung für Kommunikation, Vermittlung und Digitalisierung übernimmt. Sie ist sehr dankbar für diese zwei Jahre, in denen sie wiederum neue Erfahrungen sammeln konnte. „Jede meiner beruflichen Stationen hat mich neues gelehrt und meine Kompetenzen erweitert.“ sagt sie. Als sich die Chance ergab, am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien die Position der geschäftsführenden Vorständin zu übernehmen, hat sie keine Minute gezögert. Nun ist sie wirklich angekommen im Aufgabenfeld des Kulturmanagements und das in einer so renommierten und international ausgerichteten Kulturinstitution. 

Aufgrund ihrer großen Erfahrung, die sie durch ihre zahlreichen Stellen hat, haben wir Huskamp abschließend nach Tipps für Bewerbungen gefragt. Es sei immer wichtig, sehr gut vorbereitet in eine Bewerbungsgespräch zu gehen. Sprich, man solle sich zuvor überlegen: „Was will ich von der Position? Was bringe ich mit?“ Man solle seine Antworten verbalisieren und üben, sodass man im Gespräch souverän wirke. Eine solche Stresssituation dürfe man nämlich nicht unterschätzen. Auch sei es unerlässlich, sich mit der Stelle und der Institution vertraut zu machen. Es werde eine*n Bewerber*in erwartet, der*die sich mit der Stelle auseinandergesetzt habe. 

Seit September 2021 ist Huskamp als Geschäftsführende Vorständin am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe tätig. Ihre Vorstandsbereiche sind die Vermittlung und Kommunikation sowie die Verwaltung. Einen Schwerpunkt setzt sie mit ihrer Tätigkeit auch auf die Themen Green Culture und Diversity. „Für mich zwei sehr zentrale gesellschaftliche Themen, die essentiell sind für unsere Zukunft und damit selbstverständlich auch für die Kulturinstitutionen.“ 

     

Wir wünschen Frau Dr. Huskamp alles Gute für Ihre Zukunft und hoffen, dass sie diesen Sommer Zeit für spannende Dokumentarfilme findet.

© ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Christof Hierholzer