Dr. Sabine Lepsky

Zuständige für die Denkmalgeschützte Gasbeleuchtung am Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege in Düsseldorf

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„Ich wollte immer gerne die Theorie mit der Praxis verbinden“, erzählte uns Dr. Sabine Lepsky bei unserem Interview. Und so viel sei bereits zu Beginn verraten: Diesen Anspruch setzte sie stets in die Tat um.

 

Nach dem Abitur begann Lepsky ein Studium der Kunstgeschichte und Romanistik in Mainz, doch schnell stellte sie fest: „Das war nicht mein Weg, so ein rein theoretisches Studium.“ Um sich praktischer auszurichten, absolvierte sie ein achtmonatiges Praktikum mit der Perspektive, ein Studium der Landschaftspflege anzuschließen. Da das aber noch nicht das Richtige zu sein schien, ließ sie diesen Plan fallen und entschied sich für ein Architekturstudium in Aachen. Der Lehrstuhl sagte ihr sofort zu und so schrieb sie sich dort erneut in das Fach Kunstgeschichte ein. Dieses Mal auch nicht ausschließlich, sondern in Kombination mit Baugeschichte und Romanistik. Auch wenn es auf Umwegen geschah, so berichtet sie heute freudig: „Damit war ich sehr glücklich.“ 

Während dieser Zeit arbeitete sie viel, um sich einerseits das Studium zu finanzieren und andererseits „auszutesten, wo ich gerne arbeiten möchte. Und das kann ich auch absolut empfehlen. Ich habe alle Bereiche, die man mit Kunstgeschichte belegen kann, belegt.“ So war sie beispielsweise im Museum tätig, aber „da wusste ich ganz genau: ins Museum will ich nicht.“ Darüber hinaus arbeitete sie beim WDR als Produktionsassistentin, in der Ausleihe einer Universitäts-Bibliothek und als Domführerin im Aachener Dom. „Ich wusste von Anfang an, wie ich gerne arbeiten möchte, aber ich wusste nicht, wie ich dahin komme und habe verschiedene Interessen gehabt.“ Und welche bessere Möglichkeit gibt es da, als verschiedene Sachen auszuprobieren, bis man weiß, wohin es gehen soll?

 

Immerzu nach neuen Herausforderungen suchend und wissbegierig ging Lepsky mehrfach ins Ausland, meist gefördert durch ein Stipendium. Für ein Promotionsstudium entschied sie sich im Hinblick auf die damals recht marginalen beruflichen Chancen ohne Promotion.

Entgegen des architektonischen Schwerpunktes im Studium promovierte sie, nach wie vor begeistert vom kunsthistorischen Institut an der RWTH Aachen, ab 1990 dort für zweieinhalb Jahren. Zum Thema machte sie sich den niederländischen Grafiker Maurits Cornelis Escher (1898-1972), „weil mich da einfach die Frage interessiert hat, […] warum jemand, der einen hohen Stellenwert etwa in Naturwissenschaften und der Wahrnehmungspsychologie verbunden mit einem hohen allgemeinen Bekanntheitsgrad in der Kunstgeschichte nur eine Randfigur -so auch der Untertitel der Arbeit- darstellte.“ Zudem bot dieses einen interdisziplinären Austausch mit anderen Fachrichtungen an, der ihrem aufgeschlossenen Wesen und steten Interesse an anderen Forschungsgebieten und Meinungen entgegen kam. Lepsky sei sich zu dieser Zeit bereits sicher gewesen, dass sie ihre berufliche Zukunft in der Denkmalpflege sah.

Ihre Zeit an der Universität endete im Frühjahr 1992. Die Bewerbung für ein Volontariat beim LVR-Amt für Denkmalpflege schickte sie im Herbst ab und begann dort im Januar 1993. Zur Vorbereitung auf das Volontariat absolvierte sie ein Praktikum  beim Stadtkonservator in Köln.
Das Volontariat im Landesamt sieht vor, die vier wichtigsten Bereiche -Inventarisierung, Bauforschung, praktische Denkmalpflege und Restaurierung- der Denkmalpflege kennenzulernen und vermittelt damit die Grundlagen für die Tätigkeiten in der Denkmalpflege. Diese Kombination aus Theorie und Praxis habe ihr sehr gut gefallen und sei genau das, was sie damals wie heute machen wolle. Studierende, die sich für den Bereich der Denkmalpflege interessieren, empfiehlt Lepsky ein Praktikum und ein anknüpfendes Volontariat oder einen entsprechenden Masterstudiengang.

 

Mit Abschluss des Volontariats gründete Lepsky 1995 mit ihrem Mann zusammen die Forschung am Bau GbR. Als Geschäftsführerin war sie für die denkmalpflegerische Beratung, bauhistorische Untersuchungen und Dokumentationen verantwortlich. „Im Grunde genommen packt man mit so einem Büro alle Projekte an.“ 

Wir haben für euch nachgefragt, was diese einzelnen Aufgabenbereiche genau umfassen.

Der Begriff der denkmalpflegerischen Begleitung beinhaltet die Bauforschung und die Baubegleitung. Für die detaillierte Auseinandersetzung mit einem Objekt sei diese doppelte Herangehensweise unerlässlich. Nur das genaue Verständnis für das Objekt biete die Basis für eine angemessene Denkmalpflege und damit auch verbunden die Frage, welche modernen Eingriffe zuträglich seien und welche zu tief in die Denkmalsubstanz greifen. Dazu sei beispielsweise die Erstellung eines Raumbuches von Nutzen, das vor Beginn der Baumaßnahme angelegt werde und dann im Verlauf der Maßnahme fortgeschrieben werden könne. Ziel sei es letztlich, so viel wie möglich von der Substanz zu erhalten.

Bei der bauhistorischen Untersuchung und Dokumentation gehe man ganz praktisch an das Denkmal heran. Durch eine Zeichnung des Objektes könne man es in einem ersten Schritt besser kennen lernen. Die ermittelten Befunde müssen anschließend ausgewertet und in Zusammenarbeit mit den Bauleuten und den zuständigen Personen der Denkmalpflege begutachtet werden. Aufgrund der Individualität der Projekte werde auch immer mit verschiedenen Expert*innen kooperiert. Dazu sei es von enormer Wichtigkeit, in Plänen zu arbeiten. „Ohne Planwerk geht es nicht.“

Einen klassischen Berufsalltag gebe es bei diesem Beruf nicht. Bei einer Bauuntersuchung sei man oft vor Ort. Dann richte sich der Alltag nach dem Rhythmus der Baustelle. Da käme es auch schon einmal vor, dass „man [..] im Dreck, im Lärm und bei jedem Wetter [da sitzt]. Ganz egal, ob bei minus sechs Grad oder, ob es ganz heiß ist.“

 

Das für sie bisher spannendste Projekt sei die Begleitung der Restaurierung von Kirche und Kloster (1996-2018) der gesamten Klosteranlage in Altenberg gewesen. Hier habe es auch einige Fundstücke gegeben, die Lepsky eigenhändig geborgen habe. Der Verbleib dieser sei während der Restaurierung zeitweise unklar gewesen, sodass sie im Rahmen der Projektbetreuung half, eine Ausstellung dafür zu konzipieren. „Es ist wichtig zu vermitteln, was in so einem Bau steckt - wie die Konstruktion ist und die Baugeschichte sich durch die Untersuchungen verdichtet und fortschreibt.“ 2004 kam es in diesem Rahmen zu der Entwicklung eines wissenschaftlichen Konzeptes für ein Lapidarium. Ein Lapidarium ist eine Sammlung von Fundstücken, das am Ausgrabungsort präsentiert wird. In Altenberg sind Glaskuben zu sehen, die den Besucher*innen einen Einblick in die restauratorischen Arbeiten und die Geschichte des Klosters geben. 2018 waren die Ergebnisse aus der Bauforschung in der Klausur die Grundlage für die Präsentation der Klosteranlage Altenberg im Rahmen der großen Zisterzienserausstellung im LVR-Landesmuseum Bonn. 

 

Ihr Beruf sei sehr vielfältig. Ob vor Ort, in Erdgruben und auf Dachstühlen, oder im Büro bei der Ausarbeitung und Vermittlung, Lepsky ist begeistert und das merkt man ihr an, wenn sie redet: „Sonst wäre ich jetzt auch nicht hier.“ 

 

Neben ihrem Vollzeitjob hat sie bereits mehrere Bücher verfasst. Als ihre Kinder noch klein waren, verfasste sie ein Buch nur nachts, wenn alle schliefen und sie Zeit für sich hatte. Über den Weg der Publikation könne man sein eigenes Schaffen reflektieren, weitere Fragen klären und sich seinen eigenen Fehlern stellen, das könne für einen selber unheimlich hilfreich sein.

 

Seit 2018 begleitete Lepsky die Erfassung der Düsseldorfer Gasbeleuchtung für das Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege. In Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalbehörde und dem LVR lief sie die Straßen Düsseldorfs ab und erfasste den Bestand der Düsseldorfer Gasbeleuchtung. Nach der Erfassung des Denkmalwertgutachtens durch Lepsky als externe Gutachterin ist die Gasbeleuchtung seit Herbst 2020 als Denkmal eingetragen. „Da das so ein großes und ungewöhnliches Denkmal ist, war es von Anfang an klar, dass an die Eintragung eine Stelle gekoppelt sein muss.“ Seit Dezember 2020 arbeitet sie deshalb Vollzeit für die Untere Denkmalbehörde in Düsseldorf. Aktuell kläre sie, wie man mit so einem Denkmal, das aus 14.000 Einzelteilen bestehe, in der Praxis umzugehen hat. Bei jedem Bauvorhaben, in dessen Umfeld eine Gaslaterne stehe, sei eine Denkmalrechtliche Erlaubnis notwendig, wenn diese etwa versetzt oder temporär demontiert werden müsse. Zudem biete der umfangreiche Bestand nach zahlreiche spannende Fragen zu seiner Historie, der Restaurierung und Adaption in die moderne öffentliche Beleuchtung.

 

Wir haben während des Gespräches mit Sabine Lepsky gemerkt, wie sehr sie für ihren Beruf brennt und das nach so vielen Jahren und unzähligen Projekten. „Denkmalpflege ist für mich bedeutend, weil es einen Teil unserer Gesellschaft und unserer Geschichte abbildet.“ Sie schätze die unterschiedlichen Projekte und die interdisziplinäre Vernetzung dessen. Denkmalpflege müsse sich stets neu positionieren und orientieren. 

 

Wir bedanken uns herzlich bei Frau Dr. Sabine Lepsky und wünschen Ihr für die Zukunft alles Gute!

- Hannah Steinmetz, veröffentlicht am 07. Mai 2021