Elisabeth Hölscheidt

Auszubildende Veranstaltungskauffrau 

Seit August 2018 ist Elisabeth Hölscheidt Auszubildende zur Veranstaltungskauffrau bei der Kultur Ruhr GmbH in Bochum. Zuvor hat sie ein Bachelorstudium der Kunstgeschichte und Religionswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster gemacht. In einem Interview hat sie uns ausführlich über diese ungewöhnliche Entscheidung berichtet. dazu gekommen ist, berichtet sie uns ausführlich. 

 

Im Anschluss an ihr Abitur entschied sie sich zunächst für ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur – also ein Freiwilligendienst in einer kulturellen Einrichtung – bei der Sächsischen Mozart-Gesellschaft e.V. in Chemnitz.

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Der gemeinnützige Verein setzt sich mit dem Schaffen und Wirken Wolfgang Amadeus Mozarts auseinander, womit vorrangig die Förderung des musikalischen Nachwuchses durch Stipendien und Förderpreise verbunden ist. Hier sammelte sie erste Berührungspunkte mit der Thematik Kultur Management. Danach führte sie ihre Lust an der Kunst zu ihrem Studium der Kunstgeschichte. Die Kunstgeschichte empfand sie als einziges Fach als spannend genug, um sich damit die kommenden  Jahre auseinanderzusetzen. So kam es letztlich nach einer Recherche der verschiedenen Studienorte und Möglichkeiten 2014 zum Studienbeginn eines Zwei-Fach-Bachelors in Kunstgeschichte und Religionswissenschaft an der Westfälische Wilhelms-Universität in Münster.

„Ich liebe Bilder, die mich berühren. Wenn ich davorstehe und einfach nicht weitergehen möchte. Und wenn man zum Nachdenken angeregt wird, zum Beispiel, wenn gesellschaftspolitische Themen aufgegriffen werden.“

 

Auch heute würde sie sich wieder für diese Fächerkombination entscheiden, zwischen denen sich durchaus Verbindungen ergeben – Stichwort Gottesdarstellungen. Während ihres Bachelorstudiums machte Hölscheidt mehrfach Praktika, sowohl in klassischen kunsthistorischen Bereichen wie dem Museum als auch im Theater und im Bereich der Veranstaltungsorganisation. Durch diese Erfahrungen habe sie festgestellt, dass ihr die Bereiche Theater und Veranstaltungsorganisation sehr liegen und es ihr besonders Freude bereite, etwas auf die Beine zu stellen. Zudem habe sie das Theater als Betrieb als sehr spannend empfunden. Ihre berufliche Perspektive habe sie eher im Event-Management gesehen, das habe sich nicht mit dem für sie sehr forschungsortientierten Studium vereinbaren lassen. Hingegen schien ihr die Aussicht auf einen Master in Kunstgeschichte oder Religionswissenschaft als nicht erfüllend. 

 

„Man bekommt im Studium schnell mit, dass man mit Kunstgeschichte nicht reich wird. Und man hat (wie in den meisten Geisteswissenschaften) das Gefühl alles und nichts werden zu können. Das kann verunsichern. Ich hatte im Studium oft das Gefühl, dass man in Richtung Forschung und/oder Lehre gepusht wird. Und beides war nicht das, was ich wollte. Ich hatte das Glück, durch die Praktika, meinen Weg zu finden.“

Dementsprechend stand die Frage im Raum, wie sich ihr Ziel erreichen lasse. Ihr erschien eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau als sehr passend. Nicht nur wir finden diese Entscheidung ungewöhnlich, auch in Bewerbungsgesprächen wurde sie damit stets konfrontiert. Bereits während ihres FSJ Kultur stand die Überlegung im Raum, die Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau anzuschließen. Allerdings überwog zu diesem Zeitpunkt noch die Lust zu studieren. Die ungewöhnliche Abfolge ihrer Ausbildungen ist ihr dabei durchaus bewusst, schließlich machen die meisten es eher andersherum.

„Aber ich wollte es wirklich von der Pike auf lernen und dabei sowohl die Praxis, aber auch die Theorie (in Form der Berufsschule) haben.“

 

Nach ihrem Bachelorabschluss 2018 bewarb Hölscheidt sich deshalb für die Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau bei der Kultur Ruhr GmbH in Bochum. Mittlerweile befindet sie sich im 3. Lehrjahr ihrer Ausbildung. Die Kultur Ruhr GmbH besteht aus vier eigenen Programmsäulen: Ruhrtriennale, Chorwerk Ruhr, Tanzlandschaft Ruhr und Urbane Künste Ruhr. In der Geschäftsstelle in Bochum sind Ruhrtriennale, Chorwerk Ruhr und Urbane Künste Ruhr angesiedelt. Teil ihrer Ausbildung sei es, in verschiedenen Abteilungen tätig zu sein – darunter fallen beispielsweise Buchhaltung, Marketing und Technik. Viele Abteilungen ihrer Geschäftsstelle seien für alle drei Programmsäulen zuständig, wodurch sie einen guten Überblick über alles erhalte. Dementsprechend vielfältig gestalten sich auch ihre Aufgabenbereiche, die von der Vorbereitung im Büro bis zu Abenddiensten bei Veranstaltungen reichen können. Im Gegensatz zu ihrem Studium sammle sie in ihrer Ausbildung sehr viel Praxis-Erfahrung. Dennoch könne sie auch auf ein gewisses Repertoire an Fähigkeiten aus ihrem Studium zurückgreifen:

 

„Selbstorganisiertes und strukturiertes Arbeiten habe ich im Studium gelernt und das hilft mir sehr weiter. Auch, dass man manchmal nicht sofort aufgeben sollte, gehört dazu. Es sind vor allem die Soft Skills und Arbeitsweisen, weniger die inhaltlichen Aspekte.“

 

Besonders Freude bereite ihr an ihrer Tätigkeit das Ergebnis am Ende: Wenn man sähe, dass die ganze Arbeit der letzten Wochen und Monate sich ausgezahlt habe und die Gäste mit der entstandenen Veranstaltung zufrieden seien. In ihrer Ausbildung vermisse sie es jedoch manchmal, selbst Verantwortung zu übernehmen und ihr eigenes Ding zu machen, so wie es ihr während ihres Studiums möglich war. 

 

Hölscheidt fasst ihren bisherigen beruflichen Werdegang in einem Rat an ihr früheres-Ich treffend zusammen: 


„Vertraue deinem Bauchgefühl, es wird dich nie enttäuschen. Und ein Lebensweg muss nicht schnurgerade sein, probier‘ dich aus und finde, was dich glücklich macht. (Beides habe ich getan und es hat sich bisher ausgezahlt.)“

 

 

Wir haben auch Hölscheidt nach einem Tipp für alle Kunstinteressierten in NRW gefragt. Die Ausstellungen im Gasometer in Oberhausen hätten ihr bisher immer gut gefallen und vor allem die Räumlichkeiten seien wirklich etwas ganz Besonderes. Aufgrund der aktuellen Covid-19-Pandemie finden nur wenige Veranstaltungen statt, sodass sie uns leider keinen konkreten Veranstaltungstipp geben konnte. Dennoch rät sie:

 

„Traut euch zu Veranstaltungen! Wir (und auch alle anderen Veranstalter) geben uns sehr viel Mühe, alles sicher und regelkonform umzugestalten und es wäre viel zu schade, wenn dann kein Publikum kommt!“

 

Mit dem Thema Studium scheint Hölscheidt jedoch noch nicht gänzlich abgeschlossen zu haben. Sie überlege noch einen Master in Kulturmanagement an ihre Ausbildung zu hängen. Gerne würde sie später im Theaterbereich bleiben, dennoch sei sie offen für neue spannende Möglichkeiten. 

 

Wir bedanken uns ganz herzlich für diesen interessanten Einblick in ihren bisherigen Werdegang und wünschen Elisabeth Hölscheidt nur das Beste für alles, was noch so kommen mag. 

 

 

- Annika Kurzhals, veröffentlicht am 30. Oktober 2020