Franziska Jäger
Freiberufliche bildende Künstlerin

Schon als Kind wollte Franziska Jäger „Malerin“ werden. Heute arbeitet sie als freiberufliche bildende Künstlerin und als wissenschaftliche Hilfskraft im Bereich Kunst an der Universität Osnabrück.

Ursprünglich verfolgte Jäger das Ziel, im Anschluss an ihr Abitur Psychologie zu studieren. Zunächst absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Geriatrischen Tagesklinik des LWL Klinikums Gütersloh. Nach diesem Jahr entschied sie sich trotz mehrerer Zusagen für das Psychologiestudium gegen die Arbeit im sozialen Bereich. Obwohl ihr Kindheitswunsch Künstlerin zu werden, immer noch präsent war, ist sie dennoch abgeschreckt von dem Klischee der „brotlosen Kunst“. Deshalb wollte sie gerne ihre Leidenschaft der Kunst mit einem „richtigen“ Beruf kombinieren und stieß so auf das Studium der Kunstgeschichte in Osnabrück. Da sich Kunstgeschichte in Osnabrück nur als Zwei-Fächer-Bachelor studieren lasse, habe sie sich für Philosophie als zweites Fach entschieden.

„Im Laufe der ersten Semester saß ich in einigen Vorlesungen, natürlich, zeichnend. Ich habe die Vorlesungen wie bei einem Podcast verfolgt, mich aber eigentlich mehr meiner Kunst gewidmet. Somit war für mich klar, Philosophie abzubrechen und Kunst zu studieren.“

Nach dem zweiten Semester entschied sie sich für einen Fachwechsel. Nach weiteren vier Semestern beendete sie ihren Zwei-Fächer-Bachelor in Kunstgeschichte und Kunst/ Kunstpädagogik. Im Anschluss begann sie den Master in Kunst und Kommunikation, weil es für sie noch so viel im Fach Kunst der Universität Osnabrück zu entdecken gegeben hätte. Jäger ist der festen Überzeugung: „Man sollte also sein Feuer erkennen und dies im Master vertiefen." Bereits im Bachelor arbeitete sie als studentische Hilfskraft vor allem im Bereich Druckgrafik und konnte sich intensiv mit der Praxis von Buchdruck, Holzschnitt, Radierung, Lithografie und Siebdruck auseinandersetzen. Zudem sei es ihr möglich gewesen in der Graphischen Sammlung der Universität zu forschen, wodurch sie auch das künstlerische mit dem kunsthistorischen Arbeiten verbinden konnte. Die Kunstgeschichte habe sie nie ganz aufgegeben. Im Bachelorstudium habe sie die Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens inder Kunstgeschichte erlernt sowie angewendet und während der Forschung in der Graphischen Sammlung habe sie sich dann ihrer kunsthistorischen Leidenschaft der Druckgrafik widmen können.

Doch was genau lässt sich unter dem Master Kunst und Kommunikation verstehen? Jäger berichtet, dass der Studiengang aus einem mehrere Semester umfassenden künstlerisch praktischen und einem theoretischen Anteil bestehe. Für die künstlerische Praxis bzw. Forschung würde man zunächst einen eigenen Bereich wählen, der von der Malerei über die Druckgrafik bis hin zur Fotografie oder dem Grafikdesign reichen könne, und, mit dem man sich dann eindringlich beschäftige. Auf diese Weise lasse sich ihr bereits im Bachelor entstandener künstlerischer Schwerpunkt vertiefen. Der theoretische Teil umfasse die Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte und Kunstpädagogik. Durch die eigenständige Konzeption und Durchführung eines Projektes über den Zeitraum von mindestens einem Jahr seien, neben dem selbstständigen Arbeiten, vor allem die Eindrücke in die Kunstvermittlung oder Kunst im öffentlichen Raum sehr gewinnbringend.

„Durch das Studium habe ich nicht nur Wissen erlangt, sondern viele Kompetenzen aufgebaut, die mir den Weg als freiberufliche Künstlerin geebnet haben. Diese reichen vom organisierten Arbeiten bis zum pädagogischen Handeln in der Kunst.“

 

Das Studium sei für sie die Basis, die man sich erarbeitet habe und auf der man im Arbeitsalltag aufbauen könne. Zudem gäbe es dem künstlerischen Schaffen vor allem nach außen hin oftmals einen anderen Stellenwert. Als Autodidakt habe man es sicherlich schwerer, anerkannt zu werden.Im Januar 2019 wagte Jäger den Schritt in die Selbständigkeit und ist seitdem als freiberufliche bildende Künstlerin tätig. Dieser Wunsch sei immer schon ein Teil von ihr gewesen.

 

„Den Traum von der eigenen Kunst Leben zu können, gab es ungefähr seitdem ich einen Stift halten konnte. Mich hat dann später erst die Kunstgeschichte interessiert. Für mich gehört freie Kunst und Kunstgeschichte zusammen und es ergibt sich ein neues spannendes Feld zwischen dem Wunsch Kunstwerke kunsthistorisch aufzuarbeiten und sich aus künstlerischer Sicht einfach treiben zu lassen.“

 

Selbstverständlich habe sie auch Angst gehabt, von der Kunst nicht leben zu können. Zudem sei es auch etwas sehr Intimes, wenn man das eigene Bild zur Schau stellt und jeder dieses bewerten und interpretieren könne. Was sie gegen diese Ängste und Sorgen mache? Sie stellte ihre künstlerischen Tätigkeit breiter auf. Neben dem Kunstschaffen und allem Organisatorischen rund um ihre Kunst gehöre so zu ihrem Arbeitsalltag ein Kunstprojekt vom Landesprogramm Kultur und Schule, bei dem sie einmal die Woche mit Kindern arbeite oder die ArtNight Events, die ein bis zweimal die Woche abends stattfinden würden. Ihr einziges, nicht freiberufliches Einkommen komme von ihrer Arbeit an der Universität. Bei diesen vielen verschiedenen Tätigkeiten wird eines deutlich: „Das Wichtigste ist die Organisation mit der eine gewisse Selbstdisziplin einhergeht.“

 

Die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind im Kunst- und Kulturbereich besonders spürbar. Auch Jäger ist davon nicht verschont geblieben. Ursprünglich war eine Reise nach Venedig geplant. Leider blieb es ihr verwehrt, ihre Kunst selbst vor Ort in einer venezianischen Galerie zu sehen. Weitere Ausstellungen hätten nicht stattfinden können – zum Teil wurden sie verschoben oder sind gänzlich ausgefallen. Auch vermeintlich „sichere“ Einnahmequellen, wie das Durchführen von Kunstkursen, seien ihr weggebrochen. Insgesamt habe die Situation dazu geführt, dass sie zeitweise keine Lust mehr verspürt habe, Kunst zu machen. Es seien Menschen, Gesichter, Situationen und Begebenheiten die sie inspirieren – und all das sei nun einmal weggefallen. Im Verlauf der Pandemie eröffnete Jäger einen Webshop, über den sie nun ihre Werke verkauft. Diese digitale Lösung diene als Ersatz für die Ausstellungen oder Messen, auf denen ihre Werke noch vor der Pandemie zu erwerben waren. Dennoch vermisse sie eben diese Momente, in denen jemand eines ihrer Bilder sieht, stehen bleibe und einfach nicht den Blick abwenden könne. Die unmittelbare emotionale Komponente fehle, die dann eben auch bestenfalls zum Kauf anrege.

Wir wünschen Jäger ganz bald wieder ihre Kunst ausstellen zu können, denn:

 

„Kunst wird für mich immer der einzige Plan bleiben. Ob für immer als freiberufliche bildende Künstlerin, kann ich nur hoffen.“

 

Jäger zeigt uns, dass sich die kindlichen Träume durchaus mit den Wünschen im Erwachsenenalter decken können und wir vielleicht mal in uns selber horchen sollten, was wir früher als Kind gerne werden wollten. Es wird deutlich, wie gut sich das Kunstgeschichtsstudium auch in Träume einbinden lässt, die nicht klassisch in diesem Werdegang vorgesehen sind.

 

Wir bedanken uns ganz herzlich für diesen spannenden Einblick in ihren bisherigen Werdegang und wünschen Franziska Jäger weiterhin alles Gute für ihre Arbeit. Und wenn Ihr gerne mehr über Franziska Jäger und ihre Kunst erfahren wollt, dann besucht sie doch gerne mal auf Instagram oder auf ihrer Website.

- Annika Kurzhals, veröffentlicht am 20. November