Julia Henke

Masterstudentin der Kunstgeschichte

Wir freuen uns sehr über die Veröffentlichung unseres nächsten Interviews. 

Dieses haben wir mit Julia Henke geführt. Henke ist Masterstudentin der Kunstgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität und Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Geschichte und im LVR-LandesMuseum in Bonn. Aktuell schreibt sie an ihrer Masterarbeit mit dem Titel Bildimplizite Obrigkeitskritik am Beispiel Elizabeth I. von England unter der Betreuung von Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch.

 

Ihren ursprünglichen Plan, sich nach dem Abitur 2013 für ein Studium der Kunsttherapie zu bewerben, verwarf Henke im Laufe der Vorbereitung der praktischen Arbeiten für die Einschreibung. Von der reinen Kunst abgewandt, entschied Henke sich für ein theoretisches Bachelorstudium der Kunstgeschichte und Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. 

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Die Universität im Kurfürstlichen Schloss kennt sie als gebürtige Bonnerin schon aus Kindertagen. Das Kunsthistorische Institut befindet sich dort im Seitenflügel. Das sehe nicht nur schön aus, sondern biete auch darüber hinaus einige Vorteile. Henke hebt die Intimität des Instituts hervor. Meist begleiten einen die Kommilitonen*innen und Lehrenden das gesamte Studium lang. Darüber hinaus beherberge das Institut die größte kunsthistorische Fachbibliothek in Deutschland. Bonn befinde sich zudem in unmittelbarer Nähe zu zahlreichen kulturellen Institutionen, was ein praxisnahes Studium ermögliche. Nicht nur vor Ort, sondern auch in umliegenden Städten gebe es viel zu entdecken.

 

Seit 2017 hat Henke stets zwei Hilfskraftstellen mit insgesamt 20 Stunden die Woche gleichzeitig.
Zuerst arbeitete sie als studentische Hilfskraft bei Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch am Institut für Kunstgeschichte im Bereich der Frühen Neuzeit. Primär sei sie für redaktionelle Aufgaben tätig gewesen, wie beispielsweise recherchieren, Texte schreiben und überarbeiten. Im Laufe der zwei Jahre konnte sie im Rahmen von Forschungsreisen nach Großbritannien ihr Englisch in Wort und Schrift festigen und so auch in ihren Jobs die Verantwortung für englische Korrekturen übernehmen.

 

„Meine erlernten Sprachfähigkeiten geben mir das Gefühl wertgeschätzt zu werden.“

 

Daneben arbeitet Henke seit 2017 als Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Geschichte am Lehrstuhl von Herrn Prof. Dr. Joachim Scholtyseck. In der Abteilung für Geschichte der Neuzeit ist sie unter anderem zuständig für Recherchen und die Druckfahnenkorrektur, sprich die Endkorrektur.
2019 beendete sie ihre Stelle am Kunsthistorischen Institut und arbeitet seitdem als Studentische Hilfskraft im LVR LandesMuseum in Bonn. Dort untersuchte sie generell museale Objekte hinsichtlich ihrer Provenienz. Aktuell lege sie einen Fokus auf die Erforschung der Geschichte des Hauses und seiner Mitarbeiter*innen.

An die Jobs sei sie auf unterschiedlichen Wegen gekommen. Einige waren offiziell ausgeschrieben oder auf den Seiten vom Museum, beziehungsweise LVR zu finden, andere hat sie wiederum durch Dozierende erhalten.

Die Vereinbarkeit von Studium und zwei Jobs stelle dabei immer auch eine Herausforderung dar.

 

„Wenn man viel arbeitet und studiert, benötigt man ein gutes Zeitmanagement, damit man das packt.“

Wir haben Henke gefragt, wie Sie die Wichtigkeit von Noten im Studium und nach dem Abschluss einschätze. Noten spielen eher eine untergeordnete Rolle im Gegensatz zur Erfahrung. Selbstverständlich sollten diese nicht schlecht sein, aber Praktika und Arbeitserfahrung seien das A und O.

2018 begann Henke ihr Masterstudium an der Bonner Universität, um ihr im Bachelor erlerntes Grundlagenwissen auszubauen und zu vertiefen. Der Master biete eine noch praxisnähere Ausrichtung, um für berufliche Chancen bestmöglich aufgestellt zu sein. Denn, Henke verriet uns, dass sie nach ihrem Abschluss am Liebsten in der Forschung an der Universität arbeiten möchte.

 

Im Anschluss an den Bachelor Kunstgeschichte, bestehe in Bonn die Möglichkeit, sich neben einem normalen Master zwischen drei Schwerpunkten zu entscheiden: Europäische und Asiatische Kunstgeschichte, Provenienzforschung und Geschichte des Sammelns und Museumsstudien. Im Master Provenienzforschung besteht die Möglichkeit, diesen lediglich als Modulschwerpunkt in Kombination mit dem normalen Kunstgeschichtsmaster zu belegen.

Die Provenienzforschung untersucht die Herkunft von Kulturgütern. Dazu gehört auch der Aspekt des privaten und institutionellen Sammelns. Behandelte Themenkomplexe bilden unter anderem die Provenienzforschung, das Bürgerliche Recht, die Translation von Kunst- und Kulturgütern und die Geschichte des Sammelns und des Kunstmarktes. Henke entschied sich für diese Kombination,


„[…] weil die Geschichte der Objekte im Fokus steht. Ich empfinde das als sehr wichtig, um sich den Objekten angemessen zu nähern. Schauen wir uns beispielsweise Ausstellungskataloge an. In diesen steht selten der gesamte Kontext des Werkes. Sprich: wann es sich wo befunden hat. Dabei ist das doch für die inhaltliche Interpretation eines Kunstwerkes von enormer Relevanz.“

 

Mittlerweile muss Henke nur noch die Masterarbeit zum Thema Bildimplizite Obrigkeitskritik am Beispiel Elizabeth I. von England zu Ende schreiben. Hierbei untersuche sie auf theoretischer Ebene den Begriff der Kritik. Was ist Kritik und wie äußert sie sich? Im Zentrum ihrer Arbeit stehen polemische Bildwerke, wie beispielsweise Stickereien von Mary Stuart. Wie haben Zeitgenossen Kritik an Elizabeth I. geäußert? Hervorzuheben sei dabei im Besonderen der Aspekt ihres Geschlechts, der häufig kritisiert wurde.  Wie sieht also spezifisch Kritik an weiblichen Herrscherinnen aus? 

Henke zeigt auf, dass

 

 „Frauen in der (Kunst-)Geschichte immer noch weitestgehend ausgeklammert werden. Wir schreiben eine dezidiert maskuline Geschichte.“

 

Kritik an Frauen müsse, ebenso wie Kritik an Männern, als soziales Phänomen angenommen werden. Denn diese sei immer auch ein Stück weit emanzipierend.

 

„Kritik ist eben immer auch ein Motor für die Gesellschaft."

 

Auf Grund der aktuellen Corona-Pandemie verzögere sich die Abgabe der Arbeit. Wichtige Forschungsreisen nach Großbritannien und Schottland, die in der Regel empfehlenswert seien, um Objekte detaillierter zu untersuchen, seien aktuell nicht möglich.

 

„In der Regel kann ich Studierenden nur empfehlen, gerade für eine Masterarbeit, sich die Objekte anzuschauen und vor Ort zu forschen.“

 

Abschließend haben wir sie gefragt, was sie ihrem Ersti-Ich raten würde. 

„Stress dich nicht. Es ist zwar viel, aber es ist auch alles machbar. Man soll nicht so viel Angst vor großen Veränderungen haben. Am Ende findet sich alles.“

Wir wünschen Julia Henke für ihre Zukunft alles Gute und bedanken uns herzlich für ihre Zeit. Trotz ihrer vorhandenen Zweifel in der aktuellen Situation, sind wird davon überzeugt, dass ihre Arbeit sehr wichtig ist und sich am Ende in ihrem Sinne sicher alles finden wird.

- Hannah Steinmetz, 09. Oktober 2020