Katharina Linsel
Kunstpädagogin M.A.

Mit ihrem Großvater veranstaltete sie Zeichenwettbewerbe, mit ihren Eltern ging sie ins Museum und ihre Schwester und sie spielten lange Zeit ein Instrument. Kulturelle Bildung war stets Teil ihres Lebens, sodass sich ihr eigenes Bestreben der kulturellen Teilhabe auch in ihrem heutigen Job als Kunstpädagogin in Augsburg widerspiegelt: Wir freuen uns, dass wir Euch heute Katharina Linsel vorstellen dürfen!Linsel wuchs in Berlin und Jena auf und suchte sich schon mit 15 einen eigenen Atelierplatz, um ihrer Leidenschaft, der Kunst, praktisch nachzugehen. Bei der Künstlerin Ruth Hillebrand Dane fand sie ihn und konnte Werke ihres dort entwickelten Oeuvres später in ihrer Bewerbungsmappe für ein Kunstpädagogikstudium verwenden.

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Da sie sich nicht habe vorstellen können, direkt nach 13 Jahren Schule ein Studium aufzunehmen, entschied sie sich zunächst für einen einjährigen europäischen Freiwilligendienst in Irland. Sie wollte im Ausland leben, arbeiten und mit Einheimischen in Kontakt treten. „Es war ein Auszeitjahr. […] um rauszukommen, so komplett, so vom Umfeld und aus mir selbst.“ In Dublin trat sie der Simon Community Dublin bei und unterstützte diese bei der Arbeit mit  Obdachlosen. Die Wohnungslosen, die sie dort in einer Notunterkunft betreute, seien Aussteiger*innen, die ein Leben in der Leistungsgesellschaft weder länger führen wollten, noch konnten. Sie hätten sich dazu entschieden, ihr Leben auf der Straße weiterzuführen. Linsel berichtet: „Man hat dann einfach manchmal gemerkt: So einfach ist es manchmal nicht. Es gibt da keine einfachen Antworten und es gibt da keinen einfachen Weg. […] Auch interessant, weil man dann auch hinterfragt: Was haben wir für Gesellschaften, für Systeme? Kann es sein, dass da jemand sagt: ‘Da will ich nicht mitmachen?’ Mehr oder weniger bewusst.“ 

Sie resümiert:„Ich würd’s immer wieder tun. Ich würd’s auch jedem Menschen empfehlen so was zu machen; auch mal nicht um sich selbst rum zu kreisen. […] Sozialarbeit ist eigentlich was, wo du mal von dir selbst zurücktreten kannst, selber nicht im Mittelpunkt stehst, sondern einfach mal für andere da bist. Da merkst du dann aber auch, dass das für dich selbst auch was tut.“

 

Nach ihrer Rückkehr nahm Linsel ihr Magisterstudium mit dem Hauptfach Kunstpädagogik und den Nebenfächern Kunstgeschichte und Englische Literaturwissenschaft in Augsburg auf. Ein reines Kunststudium kam für sie nicht in Frage, da sie bei den Künstler*innen in ihrem Umfeld immer gesehen habe, dass ein Leben von der eigenen Kunst schwer zu finanzieren sei. Kunstpädagogik erschien ihr als guter Weg, ihre Kompetenzen und Interessen zu vereinen. „Kunstpädagogik […] ist so zwischen Freier Kunst und Kunstlehramt gewesen. Also man hat sehr viel mehr Kunstpraxis, als man es jetzt als angehender Kunstlehrer haben würde, aber man hat natürlich auch mehr Didaktik und Kunstwissenschaft […] als jetzt, wenn man ein freies Kunststudium absolviert.“ 

Linsel empfiehlt, ein solches Studium immer mit Praktika und Nebenjobs zu begleiten, um auszuprobieren, in welchem Bereich man später beruflich arbeiten möchte. Sie selbst absolvierte diverse Praktika in unterschiedlichen Bereichen: In der Kinderonkologie bei einer Kunsttherapeutin, als Leiterin einer wöchentlichen Kunstgruppe in der JVA Aichach und von Demenzkranken, in einem Ausstellungsprojekt einer evangelischen Studierendengemeinde und im Edwin Scharff Museum in Neu-Ulm. Darüber hinaus arbeitete sie als Freie Mitarbeiterin im H2 - Zentrum für Gegenwartskunst und gab Führungen in der Staatsgalerie Moderne Kunst in Augsburg. Linsel rät, „am Besten schon während des Studiums Kontakte [zu] knüpfen und sich mit Leuten [zu] vernetzen und dann [zu] entscheiden: ‚Mache ich Museum, mache ich freie, kulturelle Bildung für Kinder, Jugendliche und/oder Erwachsene oder schlage ich den Hochschulweg ein?’“

Inhaltlich entschied sie sich für den Bereich Moderne Gegenwartskunst. Interessant sei dabei die Bedeutung der Materialien und die Verarbeitung für den Schaffensprozess moderner Kunstwerke und diese an sich, „weil ich ja stark von der Praxisseite der Kunst komme, das heißt, ich weiß, wie die Kunstwerke entstehen, welche Materialien, technischen Verfahren dahinter stehen.“
 

Nach Ende ihres Magisters verfolgte sie ursprünglich die Idee zu promovieren. „Ich wollte dann aber erst einmal arbeiten.“ Daher ging sie für zwei Jahre an eine Jugendkunstschule nach Aachen. „Das ist eine außerschulische Bildungseinrichtung, wo Kinder und Jugendliche sich bildnerisch betätigen können.“ Es gab Kindergeburtstage, Ferienateliers, Wochenkurse und Wochenendworkshops mit verschiedenen thematischen und materiellen Schwerpunkten. Kooperationspartner*innen einer solchen Kunstschule seien Schulen, Museen und Familienzentren. 

Parallel dazu war Linsel fünf Jahre lang als Freie Mitarbeiterin im Team der Kunstschule Palette in Augsburg tätig. Diese Kunstschule erarbeite und begleite solche Workshops ähnlich der Jugendkunstschule. Als Ausgangspunkt gebe es immer ein Thema oder Verfahren anhand dessen individuelle Ideen gestaltet würden. Grundsätzlich starte man mit „niedrigschwelligen Sachen“, die die Teilnehmer*innen bereits können und mitbringen. Relativ schnell trete man dann in die Gestaltungsphase ein und mache in Eigengestaltung aus diesen Dingen etwas Konkretes.  Jeder Mensch, so Linsel, habe das Bedürfnis sich nicht nur sprachlich mitzuteilen. Kinder beginnen beispielsweise immer recht schnell, mit Material zu hantieren, um sich auf diese Weise auszudrücken. „Kunst ist nie sich selbst genug. Kunst ist immer von und für und mit Menschen. Und deswegen kann auch jeder Mensch auf die ein oder andere Art und Weise einen Zugang dazu herstellen.“

Ihr eigener Schwerpunkt liege bei Malerei und Druckgrafik und so sei sie auch bei dem was sie lehre „tendenziell in der Fläche geblieben“. Ab und an mache sie aber auch andere Dinge, wie beispielsweise Trickfilme - früher mit Camcorder, heute mit iPad - oder Objektkästen. 

 

Nach einiger Zeit in Aachen habe ihr Mann wieder zurück in die Heimat gewollt und so kam es, dass Linsel freiberuflich in Kunstschulen und Museen in Augsburg und Umgebung tätig wurde. Seit 2011 gibt sie deshalb Führungen von Schulklassen für das Museumspädagogische Zentrum (MPZ) durch die Pinakothek der Moderne und das Museum Brandhorst in München. Wie sich ihre Führungen von denen eines*r „Nicht-Pädagoge*in“ unterscheiden? Mit ihrem Wissen aus der Kunstpraxis könne sie den Besucher*innen viel über den Herstellungsprozess erzählen. Museumsbesucher*innen sehen letztlich nur das fertige Produkt und können den Prozess nicht immer nachvollziehen, so wolle sie in ihren Führungen mit Anekdoten einen Zugang zu den Werken vermitteln. „Ich weiß, wie das Verfahren [bspw. hier der Druck] funktioniert und auch wie bestimmte gestalterische Eigenheiten dann einfach zu Stande kommen und das nicht längst alles immer Absicht ist. Bei so einem Schaffensprozess kommen viele Sachen einfach aus dem Prozess heraus, die ergeben sich einfach.“

 

2016 gründete sie ihre eigene Kunstschule namens Kunststück. In der Kunstschule hauptberuflich zu arbeiten, sei aktuell einfach nicht möglich, da es bisher in Bayern keine Strukturförderung für solche Einrichtungen gebe. Wir haben Linsel gefragt, welche Eigenschaften ein*e außerschulische*r Kunstpädagoge*in mitbringen solle. Ihr zufolge seien für solch einen Job Offenheit, Kreativität, Flexibilität, Verständnis für und Wissen über Kunst, Kommunikationsfähigkeit, Geselligkeit und Empathiefähigkeit essentiell. 

 

Über einen einmaligen Lehrauftrag zum Thema Außerschulischer Lernort: Jugend-, Kunstschule am Lehrstuhl für Kunstpädagogik an der Universität Augsburg erhielt sie dort 2016 eine Festanstellung als Wissenschaftliche Mitarbeiterin begleitend zu einer Promotion.

Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeite sie dort zur Zeit in der Druckwerkstatt, an Themen wie außerschulische Lernorte, kulturelle Bildung und Kunst in der kulturellen Bildung, an einer Grundlagenvorlesung zum ästhetischen Verhalten von Kindern und Jugendlichen und an ihrem Dissertationsprojekt zu fachdidaktischem Wissen bei den Lehrkräften der Grundschule und deren Bedeutung und Herausforderung. Eine Professur käme für sie aber nicht in Frage: „Ich bin nicht standort-flexibel. […] Die Teile, die mir an unserem Fach am allerbesten gefallen, also das projektartige und […] die Kunstpraxis, dass ich jetzt eine Werkstatt leiten kann, das könnte ich als Professorin nicht.“
 

Was Linsel mit dem, was sie tut, erreichen wolle? „Klar zu machen, wie schön das Leben ist. Ganz allgemein und platt gesagt.“ 

 

Wir bedanken uns bei Katharina Linsel und wünschen ihr alles Gute für die Zukunft und hoffen, dass sie noch vielen Menschen zeigen kann, wie schön das Leben ist!

- Hannah Steinmetz, veröffentlicht am 30. Juli 2021