Lena Thelen

Forschungsvolontärin und Promotionsstudentin

Unser erstes Interview durften wir mit Lena Thelen führen. Sie studierte Kunstgeschichte sowohl im Bachelor als auch im Master an der Heinrich-Heine-Universität. Seit zwei Monaten ist sie Forschungsvolontärin am Gustav-Lübcke-Museum in Hamm und schreibt ihre Dissertation mit dem Arbeitstitel Ganzheiten des Fragmentarischen. Über die Anfänge einer Theoretisierung der Restaurierung von Skulptur 1750-1820 unter der Betreuung von PD Dr. Wiebke Windorf an der hiesigen Universität.

Nach dem Abitur 2013 verfolgte Lena Thelen zunächst ihren ursprünglichen Wunsch, Restauratorin zu werden. Hierfür absolvierte sie ein Jahrespraktikum in der Restaurierungswerkstatt Ars Severandi in Düsseldorf. Während ihrer dortigen Arbeit bemerkte sie, dass sie sich primär für die Geschichte der Werke interessierte. Ihrem Bauchgefühl folgend, entschied sie sich im Anschluss für ein Bachelorstudium der Kunstgeschichte an der Heinrich-Heine-Universität.

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Düsseldorf war für mich schon immer eine Kunst- und Kulturmetropole. [...] Ich denke der große Vorteil am Kunsthistorischen Institut in Düsseldorf ist, dass man schon von Beginn an die Möglichkeit hat, sich eigene Schwerpunkte zu erarbeiten, dadurch, dass man Kurse relativ frei wählen darf. Und auch die hohe Interdisziplinarität, die ich mit Düsseldorf verbinde, waren für mich die entscheidenden Punkte.“

 

Bereits während ihres Studiums sammelte Thelen berufliche Erfahrungen. Sie arbeitete als Kunstvermittlerin im Rahmen der Jungen Nacht und Langen Nacht des Kunstpalastes, nahm am Culturlabor der Artig Centrale für Kulturelle Entwicklung in Düsseldorf teil, machte Praktika im Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen und im Rahmen des Forschungsprojektes Art Research an der Heinrich-Heine-Universität. Darüber hinaus arbeitete sie auch als freie Museumspädagogin am Museum in Ratingen. Die Entscheidungen für diese vielen verschiedenen Erfahrungen traf sie bewusst im Hinblick auf ihr Berufsziel, in der Forschung zu arbeiten. Aber auch über den Tellerrand hinaus zu schauen, sei wichtig. Bei einem Praktikum könne man seine eigenen Stärken und Schwächen kennenlernen und so herausfinden, was einem liegt und was man machen will, oder sich in seinem Bestreben bestärkt fühlen.

„Ich habe darauf geachtet, Sachen zu machen, die mich langfristig weiterbringen, durch die ich Kompetenzen entwickeln kann. Mir war es nie wichtig diese ‘Big Names’ im Lebenslauf stehen zu haben. Gerade bei kleinen Unternehmen kann man auch einfach mehr Verantwortung übernehmen.“

Wichtig sei es, sich auf neue Dinge einzulassen, offen zu sein und auch mal etwas zu wagen.

Während ihres Studiums erhielt Thelen drei Jahre lang ein Deutschlandstipendium. Hinsichtlich des Bewerbungsprozesses empfiehlt sie den Studierenden, es einfach zu versuchen. Man solle sich treu bleiben, seine Kompetenzen stets hervorheben und sich überlegen, was einen von allen anderen Bewerber*innen unterscheidet. Grundsätzlich sei ein Stipendium immer eine Auszeichnung, die neben dem Aspekt der finanziellen Unterstützung auch im Lebenslauf einen guten Eindruck mache. In diesem Zusammenhang haben wir Thelen, die mit einem herausragenden Schnitt ihren Abschluss machte, gefragt, wie sie die Wichtigkeit von Noten nach dem Studium einschätze. Noten geben Auskunft darüber, wie man wissenschaftliches Arbeiten beherrsche. Im Hinblick auf einen Job im universitären Bereich seien gute Noten folglich nicht zu verkennen. In anderen Bereichen seien wiederum andere Erfahrungswerte von höherer Relevanz. Eine pauschale Antwort kann nicht gefunden werden.

„Wenn man sich wirklich dahinterklemmt, kann man seine beruflichen Ziele auch erreichen.“

Im Studium sei es wichtig, sich Themen zu suchen, die einen wirklich interessieren. Bei ihr war es stets die Restaurierung:

„Ich empfinde die Geschichte und die Theorie der Restaurierung als wahnsinnig unterschätzt und übersehen. [...] Im Grunde ist die Restaurierung nichts anderes als eine Form der Kunstrezeption. Ich würde immer sagen, dass ein restauriertes Kunstwerk, ein interpretiertes Kunstwerk ist.“

Ihre Affinität zum Schreiben und Recherchieren sowie das positive Feedback einiger Dozierenden weckten bereits vor Studienabschluss Thelens Interesse für eine Promotion. Im Laufe ihrer Masterarbeit stellte sich dann auch schon ein konkretes Dissertationsthema heraus. PD Dr. Wiebke Windorf, damals Betreuerin ihrer Masterarbeit, übernahm im Anschluss die Erstbetreuung ihrer Dissertation. Thelen rät, auf eine*n bereits bekannte*n Betreuer*in zurückzugreifen. Man kenne dann bereits Arbeitsweise, Erwartungen und Forschungsbereiche. So lasse sich gut abschätzen, ob man über einen längeren Zeitraum zusammenarbeiten könne. Um eine*n geeignete*n Betreuer*in zu finden, sollten mögliche Professor*innen einfach angesprochen oder angeschrieben werden. Wenn das eigene Thema überzeugend präsentiert werde, stelle eine Betreuung zu finden, kein großes Problem dar. Unumgänglich sei darüber hinaus ein Zeitplan. Nicht nur als Voraussetzung für eine Bewerbung an der jeweiligen Fakultät, sondern auch formal um einen stringenten Faden zu verfolgen und zeitlich nicht mehr als die durchschnittlichen drei bis fünf Jahre zu benötigen. Thelen strebt ihre Abgabe für 2023 an. Auch Forschungsreisen nach Paris und Rom seien geplant. Die aktuelle Corona-Pandemie durchkreuze diese Pläne bisher und mache auch das Forschen komplizierter. Archivanfragen dauerten länger, Fernleihen waren lange Zeit nicht möglich, die Bibliothek hatte einige Zeit geschlossen.

Zu ihrem zweijährigen Forschungsvolontariat am Gustav-Lübcke-Museum in Hamm kam Thelen auf einem eher unkonventionellen Weg. Nachdem die ursprüngliche Bewerberin aus persönlichen Gründen abgesprungen war, wurde sie für die Stelle von Prof. Dr. Jürgen Wiener, dem Zweitbetreuer ihrer Dissertation, angesprochen. Nach einem ersten Gespräch mit dem Museumsleiter Dr. Ulf Sölter sei für sie schnell klar gewesen, dass es sich hierbei um eine einmalige Gelegenheit handle. In diesen zwei Jahren führt sie ein Forschungsprojekt zur Erschließung und Untersuchung des musealen Sammlungsbestandes durch. Hierbei steht die Systematisierung und kunsthistorische Kontextualisierung des malerischen Nachlasses des Künstlers Hans Kaiser (1914-1982) im Fokus. Das Besondere an diesem Volontariat besteht in der Vernetzung von Museum und dem kunsthistorischen Institut der Heinrich-Heine-Universität im Rahmen des Förderprogramms „Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW“ des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Nicht nur eine digitale Aufarbeitung, sondern auch eine von Thelen kuratierte Ausstellung und verfasste Publikation sind Bestandteile des Forschungsvolontariats. Zudem ist im Rahmen des Projektes eine Lehrveranstaltung an der Heinrich-Heine-Universität geplant. Thelen sieht die Zusammenarbeit von Hochschule und Museum für sich als Gewinn, um im Anschluss an die zwei Jahre hoffentlich die Möglichkeit zu haben, sowohl universitär als auch museal Fuß fassen zu können. Ein Volontariat nach dem Studium sei grundsätzlich eine großartige Möglichkeit, um praktische Erfahrung zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und über sich hinauszuwachsen. Die Vereinbarkeit von Promotion und Volontariat stelle dabei gewiss eine Doppelbelastung dar.

„Man sollte vor allen Dingen ein organisatorisches Talent haben und gut darin sein, die Zeit effizient zu nutzen und Zeitpläne einzuhalten. Wenn man ein Thema hat, für das man brennt, dann schafft man das.“

Ein Grundstein scheint gelegt zu sein, um ihr Ziel, Menschen zu inspirieren und die Forschung in bestimmten Bereichen voranzutreiben, zu erreichen. Aus ihrem Studium ist Thelen im Besonderen ein Zitat von Prof. Dr. Hans Körner i.R. im Gedächtnis geblieben:

„Bewahren Sie sich immer den Zauber des Anfangs.“

Wir wünschen Lena Thelen alles Gute für ihre Zukunft, bedanken uns herzlich für ihre Zeit und hoffen, dass sie niemals diesen Zauber des Anfangs aus den Augen verliert und getreu nach ihrem Lieblingszitat von John Ruskin Erfüllung findet.

„Fit yourself for the best society, and then, never enter it.“

- Hannah Steinmetz, veröffentlicht am 04. September 2020